Einleitung
Die therapeutische Hypnose erfreut sich spätestens seit ihrer wissenschaftlichen Belegung in den 90er Jahren großer Beliebtheit. Trotzdem wissen die wenigsten, wie sie wirklich funktioniert.
In diesem Artikel werde Ich ein klares und verständliches Bild von der Wirkungsweise der therapeutischen Hypnose in Köln vermitteln.
Ziel ist es, Ihnen fundierte Informationen an die Hand zu geben, mit denen Sie eine informierte und selbstbewusste Entscheidung darüber treffen können, ob diese Therapieform für Sie geeignet ist.
Struktur des Artikels
Ich beginne mit einer geschichtlichen Einordnung der Hypnose, bevor Ich im zweiten Teil die (sehr) verschiedenen Formen der Hypnose voneinander unterscheide und ihre praktische Anwendung im Zusammenhang mit dem Unbewussten darstelle. Außerdem werden aktuelle Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung dargestellt.
Falls Sie ausschließlich wissen wollen, ob die therapeutische Hypnose sich für Ihr Anliegen eignet, können Sie durch einen Klick ohne Probleme direkt mit mit dem zweiten Teil beginnen.
Teil 1: Die Geschichte der Hypnose
Eine uralte Heilmethode
Oft sind Menschen überrascht, dass hypnotische Heilverfahren bis in die Antike zurückreichen. Bereits 2000 Jahre vor unser Zeitrechnung nutzten Kulturen die Kraft der Vorstellung, um körperliche und psychische Leiden zu lindern. Diese frühen Methoden waren jedoch stark in religiöse und rituelle Kontexte eingebettet und hatten wenig mit moderner Hypnose gemein.
Darstellung der Hypnose (Tempelschlaf) in der Antike 1700 v.chr
Sie sind eher mit den Methoden vergleichbar, wie wir sie heute von Bühnen oder aus okkulten Ritualen kennen. Die Verfahren waren stark in den jeweiligen kulturellen, religiösen oder spirituellen Kontext eingebettet, und die Heilung wurde als ein Akt verstanden, der die Harmonie zwischen Individuum und einer höheren Macht wiederherstellt. Diese Form der Hypnose nennen wir Suggestionshypnose.
Im zweiten Teil werden wir ihren Unterschied von der therapeutischen Hypnose klären.
Die therapeutische Hypnose wurde hauptsächlich durch die Arbeiten von Siegmund Freud und Milton Erickson etabliert.
Freud (1856 – 1939) nutze die Hypnose um unbewusste Inhalte und Prozesse des Menschen zugänglich und veränderbar zu machen. Zu Beginn der Ausarbeitung der Psychoanalyse war er begeistert von der Möglichkeit durch die Trance einen Zugang zu den unbewussten Ebenen der Psyche zu erhalten. 1895 ließ aber er von ihr ab, weil sie nicht ausreichend mit seiner Methode zu vereinen war. Zu dieser Zeit war sein Einfluss auf die Psychologie vor allem in Deutschland bereits so groß, dass die meisten Therapeuten hierzulande der Hypnose ebenfalls den Rücken kehrten. So kam es, dass während in den USA durch Milton Erickson (1901-1980) die Hypnose an Bekanntheit zunahm, es in Deutschland kaum seriöse Anwender gab.
Stattdessen wurden einige Teile der Methodik in das Showbusiness aufgenommen. Natürlich hatte das Ergebnis nichts mit der therapeutischen Praxis zu tun, wurde aber namentlich aber nicht verändert. So prägten gut 100 Jahre lang die spektakulären Darstellungen von den Bühnen das Bild der Hypnose in Köln. In den USA herrscht deshalb auch heute ein ganz anderes Bild von der Hypnose. Die Menschen wissen um ihr therapeutisches Potential ohne ihr eine höhere Macht zu unterstellen.
Die Wiederentdeckung der Hypnose
Nach dem zweiten Weltkrieg erweckten die Weiterentwicklungen von Milton Erickson auch wieder das Interesse der deutschen Wissenschaft. Psychologen und Ärzte begannen um 1960, Hypnose systematisch zu erforschen, insbesondere in den Bereichen Schmerztherapie, Psychotherapie und Traumabehandlung.
In den 1970er- Jahren fanden erste klinische Studien in Deutschland statt, die die Effektivität der Hypnose belegten.
Mit den Fortschritten in der Neurowissenschaft wurden in den 1990er Jahren in Deutschland und weltweit bildgebende Verfahren wie fMRI und EEG eingesetzt, um die Wirkungsweise der Hypnose auf das Gehirn zu untersuchen.
Diese Forschung zeigte, dass Hypnose reale physiologische und psychologische Effekte hat, zum Beispiel in der Schmerzwahrnehmung oder der Verarbeitung von Emotionen.
Die Entwicklung der Hypnose zeigt zwar eine positive Tendenz, doch das Bild, das viele Menschen von Hypnose haben, ist nach von Missverständnissen geprägt. Einerseits bestehen weiterhin die Vorstellungen aus der Show-Hypnose, bei der Hypnotiseure mit autoritären Auftreten und Manipulation spektakuläre Effekte erzeugen. Andererseits bestätigen moderne Forschungsergebnisse und erfolgreiche Anwendungen in Praxen die Wirksamkeit der therapeutischen Hypnose als ganzheitliche Methode.
Allerdings ist Vorsicht geboten: Viele Anbieter, die sich als Hypnosetherapeuten bezeichnen, arbeiten tatsächlich nach Prinzipien der Suggestionshypnose, wie man sie von Bühnen kennt. Diese Form der Hypnose unterscheidet sich fundamental von der seriösen, therapeutischen Hypnose, da sie vor allem auf Manipulation der Wahrnehmung und oberflächlichen Symptombekämpfungen basiert. Es ist daher entscheidend, diese beiden Ansätze klar voneinander abzugrenzen, um sicherzustellen, dass die gewählte Methode tatsächlich für Ihr Anliegen geeignet ist.
Teil 2: Die Therapeutische Hypnose
Auf Grund seiner Geschichte fallen unter dem Begriff der Hypnose also zwei sehr verschiedene Phänomene zusammen. Einerseits die sogenannte Suggestionshypnose, wie man sie von den Bühnenshows kennt und andererseits die therapeutische Hypnose wie beispielsweise in der Hypnosepraxis in Köln praktiziert wird.
Und auch wenn diese beiden ähnlich bezeichnet werden, haben sie absolut nichts miteinander zu tun. Um sich zu entscheiden, welche zu ihrem Anliegen passt, ist es wichtig eine klare Unterscheidung vorzunehmen.
Die Prinzipien der Suggestionshypnose stimmen tatsächlich mit den Eindrücken von den Bühnen überein. Zwar treten nicht alle Hypnotiseure in Praxen so mystisch und autoritär auf wie Show-Hypnotiseure, doch das Grundprinzip bleibt unverändert: Der Hypnotiseur hat die Kontrolle über den Prozess, während der Patient passiv bleibt und die Vorgaben des Hypnotiseurs übernimmt. Suggestionen sind letztlich versteckte Befehle, die sich durch Sprachmuster, emotionale Bilder und psychologische Manipulation auszeichnen.
Dieses Prinzip wird auch bei den Induktionen eingesetzt, wenn beispielsweise durch das anstrengende verfolgen eines Pendels die Augen ermüdet werden und der Hypnotiseur, nachdem der Proband die Augen endlich schließen darf, geschickt behauptet die einsetzende Erleichterung sei ein Zeichen des Unterbewusstseins.
Die Suggestionen während der Trance funktionieren auf ähnliche Weise. Es gibt eine ganze Palette an verschiedenen Suggestions-Techniken, die wie beim Wahrsagen an das Gegenüber angepasst werden können. Manche Menschen reagieren eher auf autoritäre Befehle, manche brauchen eine Scheinfreiheit um die Suggestionen anzunehmen. In jedem Fall besteht der Erfolg einer Suggestionshypnose besteht in der Übernahme der Vorgaben des Hypnotiseurs durch den ansonsten passiven Patienten. Ein klassischer Verlauf wäre z.B. dass ein ängstlicher Klient in der Sitzung dazu verleitet wird, sich letztendlich vorzustellen auf einer ruhigen Parkbank seine Angst wie eine Pusteblume in den Wind zu pusten. Dann soll er dieses angenehme Gefühl einfach mit in den Alltag nehmen. Offen bleibt selbstverständlich woher die Angst überhaupt kam und wohin sie gegangen ist.
Lösung ohne Erlösung
Häufig wird eingewendet, dass diese Perspektive unnötig kritisch sei, weil die Suggestionen doch positiv seien und mit guten Absichten ausgeführt werden. Vor allem in Notlagen sind Menschen gerne bereit Autonomie abzugeben und sich von einem Fachmann helfen zu lassen.
Nun ist die Psyche aber kein Auto oder ein anderes mechanisches System, das durch äußere Eingriffe repariert werden könnte. Solche Ansätze vernachlässigen die tieferliegenden Ursachen und die komplexen innerseelischen Dynamiken hinter den Symptomen. Stattdessen werden die Patienten dazu verleitet ihre eigenen Wahrnehmungen nach den Vorgaben des Hypnotiseurs so zu verändern, dass sie ihr Problem nicht mehr bewusst wahrnehmen.
Diese Symptombekämpfung ist eine klassische Verdrängung und führt zu drei zentralen Problemen:
- Innere Spannung: Die verdrängte Energie verstärkt die innere Zerrissenheit
- Verschiebung: Der unbewusste Konflikt taucht an anderer Stelle als neues Symptom wieder auf.
- Abhängigkeit von äußeren Eingriffen: Die kurzfristige Erleichterung verstärkt die Illusion, dass Veränderung „von außen“ kommen kann.
Trotz dieser Kritik kann die Suggestionshypnose in spezifischen Situationen kurzfristig hilfreich sein:
- Akute und chronische körperliche Schmerzen: Beispielsweise nach einer Zahnbehandlung oder bei Schmerzen durch eine anatomische Ursache wie einen Bandscheibenvorfall.
- Extreme psychische Symptome: In akuten Panikzuständen können Suggestionen Übererregung vorübergehend reduzieren und den Weg für eine umfassendere therapeutische Bearbeitung ebnen.
Bei psychischen Störungen wie unrationalen Ängsten, Depressionen oder Süchten ist von Suggestionshypnose dringend abzuraten.
Das falsche Versprechen, das „Unterbewusstsein umzuprogrammieren“, legt lediglich eine Illusionsschicht über die eigentliche Problematik. Statt nachhaltiger Heilung entsteht eine kurzfristige Scheinlösung, die langfristig die Konflikte verstärken und die psychische Stabilität gefährden kann.
Der Ansatz der therapeutischen Hypnose in Köln
Aufgrund der oben genannten Punkte kommen bei der therapeutischen Hypnose in Köln keine Suggestionen zum Einsatz. Die Ursachen werden nicht überspielt, sondern aufgelöst. Dafür müssen sie allerdings zuerst aufgedeckt werden. Wie in jeder wirklichen Therapie geht es also primär darum, die psychologischen Dynamiken des Klienten bewusst zu machen.
„Solange das Unbewusste nicht bewusst gemacht wurde, wird es dein Leben lenken und du wirst es Schicksal nennen.“ – C.G. Jung
Denn an jedem psychischen Problem gibt es zumindest einen Anteil unbewussten Anteil. Beispielsweise spricht man nicht von einer Angststörung, wenn jemand nicht in ein Puma-Gehege steigen möchte. Dort droht echte Gefahr, und dessen ist man sich vollkommen bewusst – ergo: kein psychisches Problem. Tritt aber dasselbe oder ein ähnliches Angstgefühl in einem Raum mit anderen (nicht gewalttätigen) Menschen auf, fällt diese irrationale Angst unter den Begriff der psychischen Störungen. Selbst wenn sich im Bewusstsein vermeintliche Gründe (etwa, dass diese einen bewerten könnten) dafür finden lassen.
In so einem Fall sollte das Angstgefühl natürlich nicht als unpassend oder falsch abgelehnt, sondern die wahre, unbewusste Ursache ausfindig gemacht werden. Dabei muss es nicht unbedingt um das Aufdecken eines vergangen Ereignisses oder besonders markanter Einflüsse handeln.
Das Unbewusste
Manchmal bedeutet dies tatsächlich einen frühkindliche, verdrängte Erinnerung wieder voll bewusst zu machen und mit dem immer noch aktiven Gefühl zu verbinden. Es kann aber auch sein, dass im Unbewussten verschiedenste Faktoren zu einem generellen Unbehagen, einer permanenten Hab-Acht-Stellung oder depressiven Emotion fusioniert sind, die sich nicht direkt auf eine vergangene Begebenheit zurückführen lassen. Es ist nicht vorhersehbar, ob etwas Verdrängtes im Unbewussten seine Form behält oder sich mit anderen verdrängten Inhalten fusioniert.
„Das Verdrängte sucht seinen Weg zurück, aber die Form, die es annimmt, bleibt unvorhersehbar“ (Siegmund Freud). Dementsprechend kann auch nicht von der äußeren Form direkt auf die unbewusste Ursache geschlossen werden.
Die Haltung des Therapeuten
Der Therapeut weiß im Vorfeld also nichts über die Innenwelt des Patienten und hat die Aufgabe ihm bei der Exploration seines Unbewussten die nötige Hilfestellung zu geben.
Diesen entscheidenden Schritt vollzog 1940 Milton Erickson als er sich von dem therapeutischen Thron herunter begab um einzusehen, dass nur der Patient den Weg vorgeben kann.
Dieser Prozess ist Inhalt der therapeutischen Arbeit und kann nur in einer gleichwürdigen und auch seitens des Klienten selbstbestimmten Art und Weise stattfinden.
Anstatt wie oft vermutet wird das Bewusstsein also nicht abgeschaltet, sondern um bisher unbewusste Prozesse, Gefühle und Dynamiken erweitern und somit eine bewusste Einflussnahme wieder möglich gemacht.
Quellen
Barrios, A. A. (1970).
Hypnotherapy: A reappraisal.Psychotherapy: Theory, Research & Practice, 7(1), 2-7.
Flammer, E., & Bongartz, W. (2003).
On the efficacy of hypnosis: A meta-analytic study.Contemporary Hypnosis, 20(4), 179-197.
Kirsch, I., Montgomery, G., & Sapirstein, G. (1995).
Hypnosis as an adjunct to cognitive-behavioral psychotherapy: A meta-analysis.Journal of Consulting and Clinical Psychology, 63(2), 214-220.
Montgomery, G. H., David, D., Winkel, G., Silverstein, J. H., & Bovbjerg, D. H. (2002).
The effectiveness of adjunctive hypnosis with surgical patients: A meta-analysis.Anesthesia & Analgesia, 94(6), 1639-1645.
