Eine 59 jährige Frau kommt in die Praxis nachdem sie bereits einige Wochen von wegen starken Überlastungserscheinungen von der Arbeit freigestellt wurde, aber demnächst wieder in den Betrieb zurückkehren möchte. Sie arbeitet als eine der Assistentinnen der Geschäftsleitung in einem großen Unternehmen. Als vor einigen Monaten ihre Kollegin während den Vorbereitungen eines großen Projektes ausgefallen ist, wurden ihr ein Großteil der übergebliebenen Aufgaben, zusätzlich zu ihren eigenen, zugeteilt. Ihr wahr das Risiko einer Überlastung sofort klar, aber wegen der Wichtigkeit des Projektes und der eindringlichen Worte ihrer Vorgesetzten wagte sie es nicht ihre Grenzen klarzumachen und tat alles um die Ansprüche zu erfüllen. Zwei Monate später war das Projekt zwar gelungen aber zum Preis ihrer seelischen und körperlichen Verfassung. Sie war weit über ihre Kapazitäten gegangen, hatte Privatleben und Erholung geopfert um das übergeordnete Ziel zu erreichen.
Das passierte nicht zum ersten Mal. Tatsächlich behauptet sie ständig aufpassen zu müssen, sich nicht zu viel auszuladen. Grenzen zu setzten fällt generell schwer.
Im Gespräch interessierte mich vor allem, was in ihr vor sich ging als ihre beiden Vorgesetzten ihr die zusätzlichen Aufgaben zugeteilt hatten. Sie hatte schon Eingangs erwähnt, dass ihr direkt klar war, dass es mit unmöglich mit gesundem Pensum nicht zu schaffen war. Warum hatte sie das nicht erwähnt zumal eigentlich es nicht ihre Verantwortung war?
Im Verlauf wird klar, dass der besondere Kontext eines unerwarteten Ausfalls und die Art und Weise wie ihre Chefs das Projekt dargestellt haben bei der Patientin ein altes Schema aktiviert haben, dass aus ihrer Jugend stammt. Sie hatte vor ca. 30 Jahren für ihren damaligen Partner ihr Leben in Deutschland mitsamt Familie und fast abgeschlossener Ausbildung hinter sich gelassen um mit ihm zusammen nach Spanien zu ziehen. Wenige Jahre später eröffnete dieser aber, dass er die Beziehung beenden möchte. Sie waren nicht verheiratet. Die Patientin hatte keinen Job, keine Ausbildung und auch keinen Anspruch auf Unterhalt.
Sie erinnerte sich noch an die Situation, als ihr die Nachricht übermittelt wurde, verspürte sie vor allem eine „tiefe, fürchterliche, existenzielle Angst“. Sie erlaubte sich nicht zu trauern, sondern aktivierte automatisch einen Kriesenmodus in dem sie emotionslos die nötigen Schritte zur Sicherung ihrer Existenz planen und ausführen konnte. In der Psychologie nennt man das eine Dissoziation. Also eine Abspaltung von den eigenen Gefühlen und Impulsen zugunsten einer Art Vogelperspektive aus der man klar und strategisch agieren kann. Es ist zu vermuten, dass die meisten Lebewesen in gefährlichen Situationen ähnliches tun. Wird eine solche Dissoziation allerdings nachdem die Gefahr gebannt ist nicht wieder aufgelöst, bleibt der Mensch trotz friedlicher Umgebung in einer unbewusst in Hab-Acht-Stellung und wartet nur darauf das latente Stressmuster wieder zu aktivieren. Man könnte auch von einem Traumata sprechen.
So hatte die Patientin es zwar schnell geschafft nach der Trennung eine finanzielle Sicherheit aufzubauen, aber innerseelig den Schock von damals nicht ganz verarbeitet. Als ihr Chef in der Eifer des Gefechts betonte wie existenziell dieses Projekt für die Firma (innerhalb derer sie ihre Sicherheit aufgebaut hatte) wäre, aktivierte das die noch nicht verarbeitete Existenzangst von damals und sie reagierte auf die entsprechende Weise: Sie trennte sich von ihren eigenen Bedürfnissen und Empfindungen um die Aufgabe zu bewältigen. Während Vorbereitung des Projekts war sie wie im Autopilot und merkte gar nicht welchen Schaden ihr Organismus nahm. Erst als es beendet war, wurde sie mit aller Wucht darauf zurückgeworfen.
Nachdem die Existenzangst als Auslöser für das destruktive Verhalten erkannt war, konnten wir in der Trance daran ansetzten. In der Trance besteht die Möglichkeit die ausgebliebene Verarbeitung nachzuholen und die unbewusste Reaktionskette zu durchbrechen. Das passiert fast automatisch sobald die Verdrängung aufgehoben ist. Derselbe Prozess läuft unbewusst täglich ab. In der Hypnose werden die Stellen gesucht, an denen dieser natürliche Prozess aus der Bahn geraten ist und sanft wieder aufgenommen. Sobald die unterdrückten Emotionen und Erinnerungen wieder zugängliche werden, kann die Psyche sie auf natürliche Weise verarbeiten, anstatt in starren Überlebensmustern festzustecken. Dieser Prozess geschieht nicht erzwungen, sondern folgt der inneren Logik des Unbewussten – ähnlich wie in Träumen, jedoch in einem geschützten Rahmen und mit gezielter therapeutischer Begleitung.
Eine 42-jährige Frau kommt in die Praxis, weil sie ständig Angst hat obwohl es keinen konkreten Anlass gibt. Ein diffuses Gefühl suggeriert ihr, dass etwas nicht stimm. Ihre Gedanken sind bestimmt anhaltenden Sorgen, die sich auf alle möglichen Lebensbereiche beziehen: ihre Gesundheit, ihre Familie, ihren Job. Ihr Kopf sei nie still. Selbst in ruhigen Momenten könne sie nicht abschalten. Sie empfindet kaum noch Freude am sozialen Leben und hat sich in den letzten Monaten zunehmend zurückgezogen.
Im Gespräch zeigt sich, dass Sie eine tiefe Angst vor Kontrollverlust empfindet. Die empfundene Unsicherheit hängt stark mit dem Bedürfnis nach Kontrolle zusammen. Sie beschreibt, dass sie sich erst sicher fühlt, wenn sie alles durchdacht und vorbereitet hat. Zwar ist dieser Zustand extrem selten und nur von kurzer Dauer aber es scheint keine Alternative zu geben. Sie war auch schon als Kind sehr besorgt gewesen. Früher hatte sie für ihre Mutter eine Art „emotionale Stütze“ sein müssen. Diese litt unter starken Depressionen und Stimmungsschwankungen. Sie war oft unberechenbar, sodass die Patientin als Kind begann, sich frühzeitig auf mögliche Eskalationen vorzubereiten.
Sie war sich dieses Ursprungs auch bewusst, wusste aber nicht was ihr dieses Wissen bringen sollte und beschäftigte sich nicht viel damit. Schließlich hatte sich diese innere Alarmbereitschaft über die Jahre immer weiter verstärkt, auch nachdem längst ausgezogen war.
Tatsächlich die Ursache nicht so sehr in der historischen Tatsache zu suchen, sondern vielmehr in den Strukturen die die damaligen Umstände hinterlassen hatten. Denn auch wenn die Umstände selbst vergangen sind, waren die Folgen noch sehr akut. Damals richtete sich die Angst gegen eine Bezugsperson und konnte nicht voll verarbeitet werden. Stattdessen wurde ein Teil der Angst verdrängt und so zu einem Grundgefühl jederzeit mit einer plötzlichen Katastrophe rechnen zu müssen. Die Angst hatte sich verselbstständigt und war nicht mehr an die reale Situation gebunden.
In der Hypnose arbeiteten wir daran, den Zustand der ständigen inneren Anspannung bewusst wahrzunehmen und sie nicht mehr als Schutz, sondern als Relikt aus der Vergangenheit zu erkennen. Die Patientin konnte sich erstmals emotional von dem Muster distanzieren, das sie unbewusst aufrechterhielt. Während der Trance tauchte eine intensive Erinnerung aus ihrer Kindheit auf: ein Moment, in dem sie als kleines Mädchen versuchte, ihre Mutter zu beruhigen, aber das Gefühl hatte, dass ihr das nie wirklich gelang. Diese Hilflosigkeit wurde in der Hypnose neu verarbeitet – nicht als persönliches Versagen, sondern als eine Überforderung, die damals nicht lösbar war. Nach mehreren Sitzungen beschrieb die Patientin, dass sie sich nicht nur ruhiger fühlte, sondern sich auch weniger mit hypothetischen Gefahren beschäftigte. Die körperliche Anspannung, die sie zuvor als ihren „Normalzustand“ empfunden hatte, ließ spürbar nach, und sie begann, Momente der Ruhe als angenehm zu erleben, anstatt sich dabei unwohl zu fühlen.
Eine 27-jährige Frau sucht die Praxis auf, weil sie sich ständig unsicher fühlt und es ihr schwerfällt, ihre Meinung zu vertreten. Obwohl sie eigentlich sehr kompetent ist – gebildet, hat einen erfolgreichen Job, einen stabilen Freundeskreis – hat sie das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Sie hat bereits zwei toxische Beziehungen erlebt in denen der Partner sie kontrolliert und immer wieder gedemütigt hat. Auch in Meetings hält sie sich zurück, aus Angst etwas Falsches zu sagen.
Im Gespräch zeigt sich bereits, wie tief die Angst nicht zu genügen sitzt. Sie erzählt, dass sie als Kind sehr angepasst war und versuchte, ihren Eltern alles recht zu machen. Ihr Vater war streng aber eher abwesend und ihre Mutter dafür etwas übergriffig und extrem kritisch. Sie musste lernen sich an die willkürlichen Forderungen anzupassen und ihnen trotzdem nicht zu genügen.
Heute betrachtet die Patientin sich quasi selbst mit dem kritischen Blick der Mutter. Sie beurteilt sich selbst wurde nicht von dem bestimmt durch einen ständigen inneren Abgleich und überträgt diese Haltung auf andere Personen.
Die Angst nicht zu genügen ist mit einem starken Gefühl verknüpft an dem wir in der Hypnose ansetzten. Durch die gezielt gerichtete Aufmerksamkeit wird dieser Mechanismus greifbar. In der Erinnerung finden sich viele Situationen die zwar nicht bewusst als traumatisch gespeichert sind, aber die unbewusste Überzeugung hinterlassen haben, dass ihre Gedanken und Meinungen nicht wichtig genug seien. Normalerweise bildet die Vorstellungen von der Welt im Inneren des Menschen ein Abbild der Außenwelt. Wenn es aber im außen Eindrücke gab die so schwer zu integrieren waren, dass sie aus der bewussten Vorstellung verdrängt worden, können diese unbewusst gemachten Eindrücke später nicht mehr verarbeitet werden. Diesen Prozess nachzuholen macht die Hypnose möglich. Der Effekt war in diesem Fall direkt spürbar und auch nach einiger Zeit berichtete die Patientin, dass sie sich viel sicherer fühlte.
In den Folgesitzungen werden solche Ergebnisse gefestigt und in das Leben Integriert.
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