Positive Patientenpunkte
Im Vorfeld einer Psychotherapie ist es wesentlich, sich über die Bedeutung von Diagnosen und Krankheitsbilder, sowie deren Ursachen und mögliche Therapiemethoden aufzuklären oder beraten zu lassen. Auf Basis dieser Informationen einen passenden Behandler auszuwählen sehr wichtig.
Doch natürlich ist dieser Teil nur die halbe Miete, wenn es darum geht, dass eine Psychotherapie auch wirklich erfolgreich verläuft. Der andere wesentliche Faktor sind Sie.
Die Erwartungen, die Haltung und die Motivation, die Sie in eine Therapie mitbringen, sind mindestens genauso entscheidend für den Therapieerfolg wie Methode oder Therapeut.
Dieser Artikel fasst Ergebnisse aus der Psychotherapieforschung zu positiven Patientenfaktoren.
Also zu Punkten, bei denen man herausgefunden hat, dass wenn der Patient sie erfüllt, es sich günstig auf die Prognose des Therapieerfolg auswirken.
1. Behandlungswunsch und Leidensdruck
Der wohl entscheidenste Faktor ist überhaubt der Wunsch nach einer Behandlung und der damit meist verbundene Leidensdruck. Auf eine gewisse Art ist das selbstverständlich.
Denn wenn es diesen Leidensdruck nicht gäbe, käme eine Psychotherapie gar nicht zustande.
Es zwingt einen ja niemand dazu.
Interessant ist allerdings, dass dieser Leidensdruck häufig genau dann verschwindet, wenn es darum geht, die bisherigen Denk- und Verhaltensweisen infrage zu stellen oder sogar zu verändern.
Es ist ein bisschen wie mit Motivation.
Die ist oft dann besonders stark, wenn es noch keine konkreten Schritte gibt, die man gehen muss.
In diesem Moment ist man gefühlt zu allem bereit.
Sobald man aber an die ersten Blockaden und Hindernisse stößt, beginnen häufig die Zweifel.
Manchmal zweifelt man offen an den eigenen Fähigkeiten und fragt sich, ob man das überhaupt schaffen kann.
Oft werden diese Zweifel aber verschoben – zum Beispiel auf die Therapie.
Ob das wirklich die richtige ist.
Ob man nicht lieber noch warten sollte.
Ob es vielleicht einen besseren Zeitpunkt gibt.
All das ist vollkommen normal und gehört zu einem therapeutischen Prozess fast immer dazu.
Meiner Meinung nach hilft es in solchen Phasen, sich an den Moment zu erinnern, in dem man die Entscheidung getroffen hat, dass es so, wie bisher, nicht weitergehen soll.
Dass man sich nicht mehr so fühlen möchte wie zuvor.
Sich also immer wieder vor Augen zu führen, warum man diesen Weg überhaupt eingeschlagen hat. In unserer Kultur wird Motivation häufig absurd verherrlicht, als wäre sie ein rein positives Phänomen. Dabei liegt im Kern einer stabilen Motivation oft genau dieser Leidensdruck, der dazu drängt, etwas Besseres für sich zu erschaffen.
Das heißt nicht, dass man sich ständig sein eigenes Leid vor Augen führen sollte.
Aber es hilft, im Hinterkopf zu behalten, dass es darum geht, dieses Leid zu beenden.
Nach meiner Erfahrung hilft genau das enorm, die nötige Entschlossenheit aufzubringen, um sich auch mit den Widrigkeiten eines therapeutischen Prozesses auseinanderzusetzen.
2. Aktive Beteiligung als Voraussetzung für Therapieerfolg
Damit kommen wir fließend zum nächsten Punkt: Die Bereitschaft sich aktiv am therapeutischen Prozess zu beteiligen.
Dieser Punkt ist deshalb so wichtig, weil viele Menschen in der Psychotherapie eine eher passive Haltung einnehmen und vom Therapeuten eine Lösung für ihre Probleme erwarten.
Ich glaube, diese Haltung entsteht häufig daraus, dass der Unterschied zwischen medizinischer und psychischer Behandlung nicht klar genug ist.
In der Medizin ergibt diese Passivität durchaus Sinn.
Dort gibt es einen Arzt oder Fachmann, der anhand von Symptomen oder objektiven Tests Medikamente oder Maßnahmen festlegt, von denen man selbst wenig verstehen muss.
Die Aufgabe des Patienten besteht dann im Wesentlichen darin, das umzusetzen, was ihm empfohlen wird.
Dieses Prinzip lässt sich jedoch nicht auf psychische Prozesse übertragen.
In der Psychotherapie ist der Therapeut zwar Experte für den Prozess, aber darauf angewiesen, dass der Patient sogenanntes psychisches Material einbringt.
Das bedeutet, sich mit den eigenen inneren Dynamiken aktiv auseinanderzusetzen und den Therapeuten daran teilhaben zu lassen.
Der Therapeut kann dieses subjektiv oft chaotische oder belastende Material dann aufgrund seiner Ausbildung ordnen, einordnen und Orientierung schaffen.
Es gibt in der Psychotherapie keine klaren Rezepte wie in der Medizin.
Es handelt sich vielmehr um einen gemeinsamen Erkundungsprozess, in dem jedes Mal eine individuelle Lösung entsteht.
Aktive Beteiligung meint also die Bereitschaft, sich auf diesen Prozess einzulassen – mit all seinen Unklarheiten, Zweifeln und möglichen Rückschlägen.
Und das nicht nur innerhalb der Sitzungen.
Auch außerhalb des Therapieraums geht es darum, Erfahrungen, Erkenntnisse und Fragen ins eigene Leben zu übertragen – möglichst aktiv und eigenverantwortlich.
3. Die therapeutische Beziehung
Psychotherapie ist also ein sehr dynamisches Feld.
Man darf nicht erwarten, eine rein technische Lösung zu bekommen, sondern muss sich auf den Prozess und auch auf den Therapeuten einlassen.
Damit sind wir beim letzten Punkt: der therapeutischen Beziehung als wesentlichem Faktor für den Therapieerfolg.
Eine Beziehung ist immer etwas Gegenseitiges.
Für Therapeuten gehört es zum Alltag, sich auf neue Menschen und deren Emotionen einzulassen.
Patienten hingegen kommen oft mit der verständlichen Hoffnung, das Ganze möglichst unkompliziert hinter sich zu bringen.
Es geht dabei nicht darum, sich kopfüber in eine Beziehung zu stürzen.
Man muss den Therapeuten auch nicht uneingeschränkt mögen. Auch Gefühle wie Ablehnung oder Wut können Teil des Prozesses sein und lassen sich oft konstruktiv integrieren.
Was jedoch wirklich problematisch ist, ist das völlige Ausbleiben von Emotionen innerhalb der therapeutischen Beziehung.
Zum Beispiel, wenn man den Therapeuten ausschließlich als Experten oder im schlimmsten Fall als Dienstleister betrachtet, der einfach funktionieren soll, ansonsten aber als Person irrelevant ist.
Das ist erfahrungsgemäß ein deutliches Zeichen dafür, dass etwas nicht passt.
Ein tiefgreifender psychischer Veränderungsprozess geht immer auch mit emotionaler Verbindung und späterer Loslösung einher. Diese Verbindung muss sich nicht sofort entwickeln, aber sie braucht Raum.
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Psychotherapie
Alle genannten Punkte – der Behandlungswunsch, die aktive Beteiligung und die Bereitschaft zu emotionalem Kontakt – sollten nicht als starre Voraussetzungen verstanden werden.
Es geht nicht darum, all das von Beginn an vollständig mitzubringen.
Sondern um die Bereitschaft, diese Haltungen entstehen zu lassen, wenn sie im therapeutischen Prozess auftauchen.
Gerade deshalb habe ich diese Punkte hier noch einmal zusammengefasst.
Sie können helfen, sich zu Beginn einer Psychotherapie gut auf den eigenen Teil des Prozesses einzustellen.
In Kombination mit der Auswahl eines passenden Therapeuten – zum Beispiel im Rahmen einer Psychotherapie in Köln – steigen damit die Chancen deutlich, dass eine Therapie auch wirklich erfolgreich verläuft.
Mir bleibt an dieser Stelle nur noch zu sagen:
Danke für die Aufmerksamkeit und schön, dass du bis zum Ende gelesen hast.
